Kirche wohin?
Peter Eichenberger,
Kerze (Foto: Kirchenweb Bilder)

Kirchenpflege




2. November: «Kirche wohin?»

10 Menschen im Alter von 15 bis 70 trafen sich zu einer spannenden Diskussionsrunde. Ihr Bezug zur Kirche ist sehr unterschiedlich. Manche gehören zum harten Kern, andere sieht man im Gottesdienst kaum. Doch alle sind Mitglieder. Thema: Kirche wohin?

Peter Siegrist aus Reinach moderierte das Gespräch. Zu Beginn fasste er die gegenwärtige Situation zusammen. Die Kirche sei für die Gesellschaft nicht mehr systemrelevant. Es werde immer schwieriger, Freiwillige zu finden. Deshalb habe der aargauische Kirchenrat die «Kirchenreform 26-30» angestossen. Die gute Nachricht sei zwar zeitlos, doch die Art und Weise könne und müsse diskutiert werden.

Folgende Trends seien auszumachen:

- Agilität: Die Kirche müsse auf Entwicklungen reagieren.

- Individualisierung. Die Menschen wollten nicht mehr bevormundet werden.

- Digitalisierung: Hier habe die Kirche Nachholbedarf. Kontakte würden heute auch digital geknüpft.

- Säkularisierung: Die konfessionelle Prägung wird schwächer.

Erste Runde: Wie erleben die Teilnehmenden die Kirche? Dazu einige Voten (gekürzt).

Die Engagierte: «Viele sind ausgetreten, vorab aus finanziellen Gründen. Der Gegenwert scheint nicht mehr gegeben. Es wird viel zu wenig kommuniziert, was es an guten Angeboten gibt. Viele suchen zwar Halt und Sinn, aber sie wissen nicht wohin.»

Der Unternehmer: «Die christlichen Werte sind tabu, gerade in der Wirtschaft. Dafür werden die negativen Seiten in den Medien breit thematisiert. Die allgemein christliche Prägung unserer Gesellschaft gerät aus dem Blick»

Der Jus-Student: «Kirche und Religion sind kein Thema mehr. Wer immer darüber spricht, wirkt seltsam. Sogenannte Trigger Wörter stossen auf Ablehnung: Z.B. «Bibel», «Glaube», «Religion». Menschen, die ihren Glauben zeigen, gelten als beschränkt.»

Die Schülerin / Konfirmandin: «In der Schule gibt es faktisch keinen Religionsunterricht mehr, bzw. er wird für andere soziale Übungen genutzt. Kirche und Religion sind zwei verschiedene Dinge.»

Der Kirchenpräsident: «Kirche wird zu Unrecht auf Gottesdienst und Unterricht reduziert.»

Die Diakonin / Jugendarbeiterin: «Die meiste soziale Arbeit hat ihren Ursprung in der Kirche.»

Der Unternehmer: «Vielleicht müsste der Unterricht die historische Entwicklung zeigen und neue, moderne Ansätze suchen. Heute wissen die Jugendlichen kaum noch etwas über Glaube, Religion und Kirche.» Der kirchliche Mitarbeiter kennt junge und alte Zeitgenossen, die durchaus Interesse zeigten. «Die Kirche bildete schlussendlich auch die Grundlage für die Bildung und die Pädagogik. Sie trieb die Entwicklung der Gesellschaft an.»

Die Lokalpolitikerin: «Religion wird gelebt und muss nicht diskutiert werden.» Der Pfarrer: «Die Kirche ist zwischen Stuhl und Bank, also am richtigen Ort.»

Zweite Runde: Was braucht es?

Die Mutter: «Es braucht Anlässe für jung und alt. Es gibt zuwenig Angebote für Menschen im mittleren Alter. Die Erwachsenenbildung fehlt. Schön wäre ein Kaffee-Treff für Leute, die sich gerne austauschen, etwas gemeinsam organisieren oder gar etwas herstellen. Da sollten auch Nicht-Mitglieder willkommen sein. Die kirchlichen Räume müssten sich mehr für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen öffnen.»

Der Student: «Auch kulinarische Angebote würden geschätzt.»

Die Engagierte: «Die Angebote der Landeskirche sind zuwenig bekannt. Einige wären interessant, aber schlussendlich bleibt es ein geschlossener Klub. Die Kirche darf ihren Fokus für das Soziale nicht aus den Augen verlieren.»

Der Pfarrer: «Es bleibt die Frage, wer diese schönen Aufgaben übernehmen will.»

Die Kirchenpflege bedankt sich bei den Teilnehmern für diese Gesprächsrunde. Es liegt nun an der Kirchenpflege Beinwil am See die Inputs zu verarbeiten.
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Bereitgestellt: 13.12.2021, Peter Eichenberger